Darmstädter Go-Tage

22.-25. Juni 2000 im Bessunger Schlößchen


Go-Seminar:

Die diesjährigen Darmstädter Go-Tage hatten ein umfangreiches Rahmenprogramm. Etwa 35 Go-Spieler kamen bereits am Donnerstag zu einem Go-Seminar zu den Themen Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel, Formen, Spielen mit Vorgabe und zur Analyse einer Profipartie. Geleitet wurden diese Kurse von Guido Tautorat, Dirk Krutinat, Tim Staeger und Michael Marz. Das ganze startete etwas chaotisch, da an Feiertagen manche S-Bahnen leider nur bis nach Langen fahren und Guido gerade erst in dem Moment eintraf, als wir die vier Gruppen gerade auf drei Gruppen reduziert hatten. Dennoch sind die Kurse bei fast allen Teilnehmer sehr gut angekommen, einige Spieler wollten gar nicht mehr aufhören und haben die Mittagspause hindurch jede Menge Goprobleme gelöst. Um halb acht musste das Seminar zur großen Enttäuschung einiger Teilnehmer leider beendet werden, da manche der "Go-Lehrer" abends noch andere Verpflichtungen hatten. Immerhin fanden noch etwa zwanzig Leute den Weg zum Biergarten, in dem das neu Erlernte gleich ausprobiert werden musste (dabei wurden selbstverständlich auch nach dem Formenkurs weiter hemmungslos leere Dreiecke auf die Bretter gelegt). Aus Veranstaltersicht war das Go-Seminar ein voller Erfolg, und wir haben für das nächste Jahr das "Schlösschen" wieder für den Fronleichnamsdonnerstag reserviert, um eine Veranstaltung in ähnlicher Form durchzuführen.


Ausflug:

Am Freitag fuhren dann 23 Go-Spieler in die Fossilienfundstätte Grube Messel, die zusammen mit den Galápagos-Inseln, dem Yellow Stone National Park und anderen bekannten Naturdenkmälern zu den 22 "Weltnaturerben" der Unesco auf diesem Planet gehören. Nach einer interessanten Einführung in die Geschichte der Grube und deren Fundstücke durften wir dann auch mal selber buddeln. Hauptsächlich haben wir versteinerten Krokodilkot gefunden ("Koprolithen"), aber auch das ein oder andere Blatt war dabei sowie Reste von einem Fischschwanz. Besser waren da die Fachleute nebenan, die gerade einen kompletten Fisch gefunden hatten. Wie Mario Slawik festgestellt hat, ist es beim Fossilienbuddeln eben wie beim Go: Profis können den Kyu-Suchern jederzeit neun Steine vorgeben und gewinnen immer noch locker.


Schnellgoturnier:

Nach der Besichtigung der versteinerten Messeler Urpferde und anderer prähistorischer Monster im Messeler Naturkundemuseum blieben dann nur noch ein bis zwei Stündchen Zeit, sich im Schlosspark auf der Wiese mental auf das bevorstehende Schnell-Go-Turnier vorzubereiten. Diesmal wurde nicht nur mit erhöhter, sondern zudem mit freier Vorgabe gespielt, was dazu führte, dass in Vorgabespielen Schwarz seine Gewinnquote von 51% aus dem Vorjahr auf 57% steigern konnte. Dieser Sieg für die Mächte der Finsternis gegen die Kämpfer des Lichts rührte vor allem von einer Tiefschlafphase von Weiß in der ersten Runde her, die mit 7-2 an Schwarz ging. Dass das jedoch kein unüberwindlicher Nachteil für Dan-Spieler sein muss, zeigte Thomas Kettenring (3d) aus München, der sich erst in der letzten Runde Paola Maneggia (9k) aus Birmingham mit 12 Steinen Vorgabe geschlagen geben musste und schließlich Dritter wurde. Paola gewann mit diesem Sieg auch das Turnier, obwohl sie die erste Runde verpasst hat, da ihr Chauffeur sich ein zu langes Mittagsschläfchen gönnte. Auf den zweiten Platz hat sich aufgrund der besseren Gegnerpunkte noch Helmut Sekula (1d) aus Darmstadt vorgeschoben. Insgesamt hatte das Schnell-Go-Turnier 27 Teilnehmer und die Tatsache, dass die ersten fünf Plätze von Spielern mit den Spielstärken 9k, 1d, 3d, 5k und 14k belegt wurden, rechtfertigt in meinen Augen das recht großzügige Vorgabesystem.

Endstand:

Pl. Name                 Str Club             Erg   SOS
					    
  1 Paola Maneggia        9k Birmingham (GB)  4-0   11
  2 Helmut Sekula         1d Darmstadt        4-1   13½
  3 Thomas Kettenring     3d München          4-1   13
					    
  4 Gernot Belger         5k Darmstadt        4-1   12½
    Tobias Klaus         15k Göppingen        4-1   12½
  6 Martin Ebeling        1k Basel (CH)       3-1    9
  7 Anton Grzeschniok     3d Frankfurt        3-1    8½ 
  8 Norbert Jendrusch     3d München          3-2   14½
  9 Clemens Winklmaier   13k Darmstadt        3-2   13½
 10 Marco Seim            4k Frankfurt        3-2   12½
 11 Daniel Kullmann      14k Darmstadt        3-2   12
 12 Alexander Schulz      1k Marburg          3-2   10
 13 Bernhard Seckinger    8k Freiburg         2-2   10½
 14 Otto Denk             3k Darmstadt        2-3   16½
 15 Mario Slawik          2k Mettmann         2-3   12
 16 Jürgen Bokowski       5k Darmstadt        2-3   11½
 17 Heiner Fischer        1d Darmstadt        2-3   11
 18 Dirk Krutinat         3d Marburg          2-3    8½
 19 Bernhard Herwig       1k Freiburg         2-3    8
 20 Stefan Knaute         3k Tübingen         1-1    4
 21 Michael Marz          2d Darmstadt        1-2    9½
 22 Mathias Kegelmann     1k Darmstadt        1-3   10½
 23 Katharina Kühn       19k Darmstadt        1-3    9½
 24 Martin Dieterich      4d Mainz            1-4   13
 25 Jochen Tappe          1k Darmstadt        1-4   11½
 26 Robert Jurisch        8k Darmstadt        0-2    6
 27 Hubertus Putlitz      8k Mainz            0-5   15½

Hauptturnier:

Zum Hauptturnier kamen am Wochenende 62 Spieler, und der Sieger stand eigentlich auch schon bei Schließen der Meldeliste fest: Chang Tung-Jui (5d) aus Heidelberg war in keiner seiner Partien jemals wirklich gefährdet. Dahinter kamen Norbert Jendrusch (3d) aus München mit 4-1 und Uwe Ramlow (3d) aus Frankfurt mit drei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden gegen Harald "Jigo" Kroll. Neben Chang Tung-Jui blieb lediglich Rolf Sander (5k, Mainz) ungeschlagen (und sollte sich damit wieder hochstufen), 4-1 spielten außer Norbert Jendrusch noch Hubertus Putlitz (8k, Mainz), Alexandra Tomerius (12k, Darmstadt) sowie Johannes Ullrich (14k, Marburg).

Runde 4: Clemens Winklmaier gegen Tobias Klaus

Endstand:

Pl. Name                 Str Club             MMS   1    2    3    4    5   Pt  SOS

  1 Chang Tung-Jui        5d Heidelberg       26    8+   3+  15+   2+   4+  5   118½
  2 Jendrusch, Norbert    3d München          25    6+   9+   4+   1-   5+  4   121 
  3 Ramlow, Uwe           3d Frankfurt        24½  10+   1-   7=  12+  11+  3½  118½

  4 Kettenring, Thomas    3d München          24   14+   5+   2-   7+   1-  3   121 
  5 Tomerius, Kai         3d Darmstadt        24    7+   4-  10+   9+   2-  3   118½
  6 Hsu Chun-Chen         3d Heidelberg       24    2-  15-  17+  14+   8+  3   114½
  7 Kroll, Harald         3d Dortmund         23½   5-  14+   3=   4-   9+  2½  118 
  8 Staeger, Tim          2d Frankfurt        23    1-  11+   9-  10+   6-  2   119 
  9 Grzeschniok, Anton    3d Frankfurt        23   11+   2-   8+   5-   7-  2   118½
 10 Runge, Bernhard       2d Mannheim         23    3-  13+   5-   8-  19+  2   116½
 11 Krutinat, Dirk        3d Marburg          23    9-   8-  16+  15+   3-  2   114½
 12 Fischer, Heiner       1d Darmstadt        23   15-  23+  13+   3-  17+  3   112½
 13 Sekula, Helmut        1d Darmstadt        23   18+  10-  12-  16+  15+  3   112 
 14 Marz, Michael         2d Darmstadt        22½   4-   7-  20+   6-  --   1   114½
 15 Ewert, Rainer         1d Köln             22   12+   6+   1-  11-  13-  2   119 
 16 Pauli, Robert         1k Langen           22   21+  18+  11-  13-  22+  3   110 
 17 Schulz, Alexander     1k Marburg          22   26+  19+   6-  28+  12-  3   109½
 18 Czeranski, Jan        1d Mannheim         22   13-  16-  21+  19-  25+  2   109 
 19 Ebeling, Martin       1k Basel (CH)       22   22+  17-  27+  18+  10-  3   108 
 20 Teufel, Hans-Ulrich   1k Heidelberg       22   27-  26+  14-  21+  24+  3   105 
 21 Kegelmann, Mathias    1k Darmstadt        21   16-  24+  18-  20-  28+  2   107 
 22 Herwig, Bernhard      1k Freiburg         21   19-  27-  23+  26+  16-  2   105½
 23 Slawik, Mario         2k Mettmann         21   30+  12-  22-  32+  29+  3   103 
 24 Schnittger, Arp       2k Tübingen         21   29+  21-  34+  27+  20-  3   102 
 25 Brucksch, Thomas      1k Siegburg         21   --   --   --   --   18-  0    98 
 26 Tappe, Jochen         1k Darmstadt        20½  17-  20-  --   22-  27+  1   104 
 27 Erker, Thomas         2k Darmstadt        20   20+  22+  19-  24-  26-  2   106½
 28 Otte, Berthold        3k Düsseldorf       20   33+  30+  29+  17-  21-  3   102 
 29 Rösch, Wilfried       2k Darmstadt        20   24-  32+  28-  37+  23-  2    99 
 30 Bodmer, Franck        2k Mannheim         20   23-  28-  32-  36+  33+  2    97 
 31 Sander, Rolf          5k Mainz            20   40+  35+  36+  38+! 32+  5    91 
 32 Theinen, Frank        3k Aachen           19   37+  29-  30+  23-  31-  2    99 
 33 Knaute, Stefan        3k Tübingen         19   28-  37+  38-  34+  30-  2    95 
 34 Hollmann, Jana        4k Wiesbaden        19   35+  36+  24-  33-  39+  3    94 
 35 Nübel, Peter          4k Mannhiem         19   34-  31-  40+  41+  38+  3    90 
 36 Kim Wook Hui          4k Frankfurt        18   39+  34-  31-  30-  37+  2    94 
 37 Scheitler, Karl       3k Erding           18   32-  33-  39+  29-  36-  1    93 
 38 Belger, Gernot        5k Darmstadt        18   44+  39+  33+  31-! 35-  3    90 
 39 Kuhn, Roland          4k Mannheim         17   36-  38-  37-  40+  34-  1    90 
 40 Bokowski, Jürgen      5k Darmstadt        17   31-  47+  35-  39-  41+  2    86½
 41 Grieser, Markus       7k Darmstadt        16   42+  45+  47+  35-  40-  3    81½
 42 Chen Tien-Mu          7k Frankfurt        16   41-  44+  48+  43-  45+  3    76 
 43 Putlitz, Hubertus     8k Mainz            16   46+  48-  52+  42+  44+  4    72 
 44 Kimmel, Manfred       7k Fürth            15   38-  42-  50+  47+! 43-  2    77½
 45 Harke, Otto           7k Bensheim         15   47-  41-  46+  48+  42-  2    75½
 46 Seckinger, Bernhard   8k Freiburg         15   43-  49+  45-  51+  48+  3    70 
 47 Croker, Robert        7k Frankfurt        14½  45+  40-  41-  44-! --   1    76 
 48 Heisel, Felix         8k Frankfurt        14   51+  43+  42-  45-  46-  2    74 
 49 Oberhoff, Horst      10k Schweinfurt      13   53+  46-  51-  50+  52+  3    64 
 50 Rosenbusch, Artus     9k Dietzenbach      13   52-  51+  44-  49-  54+  2    62 
 51 Maneggia, Paola       9k Birmingham (GB)  12   48-  50-  49+  46-  53-  1    67 
 52 Demirkoparan, Hakan  10k Kaiserslautern   12   50+  56+  43-  53-  49-  2    63 
 53 Tomerius, Alexandra  12k Darmstadt        12   49-  55+  56+  52+  51+  4    55 
 54 Ullrich, Johannes    14k Marburg          10   57+  58+  55+  56+  50-  4    45 
 55 Winklmaier, Clemens  13k Darmstadt        10   56+  53-  54-  57+  58+  3    44 
 56 Skripczynski, Jens   12k Darmstadt         8   55-  52-  53-  54-  59-  0    50 
 57 Klaus, Tobias        15k Göppingen         7   54-  60-  59+  55-  62+  2    37 
    Bärmann, Benni       16k Frankfurt         7   59+  54-  60+  62+  55-  3    37 
 59 Schillinger, Andreas 16k Mannheim          7   58-  62+  57-  60+  56+  3    30 
 60 Jost, Steffen        17k Darmstadt         6   62+  57+  58-  59-  61+  3    25½
 61 Kühn, Katharina      19k Darmstadt         3½  --   --   62+  --   60-  1     9 
 62 Uhrig, Charlotte     20k Mannheim          0   60-  59-  61-  58-  57-  0    19½
(Vorgabepartien sind unterstrichen, mit "!" versehene Partien wurden durch Nichtantreten eines der beiden Spieler entschieden.) Die Turnierergebnisse wurden an die Europäische Go-Föderation weitergeleitet und in die Rangliste europäischer Go-Spieler eingearbeitet.

Für Statistikfans: am erfolgreichsten schnitten die Mainzer Spieler mit einer Gewinnquote von 90,0% ab (hochstufen!!!), gefolgt von den Go-Gruppen aus Heidelberg (73,3%) und München (70,0%).


Roland Kuhn und Markus Grieser beim Grübeln


Hessenmeister 2000:

Uwe Ramlow (3d, Frankfurt)

Wie schon im letzten Jahr, gab es am Sonntag nachmittag wieder das Endspiel um die Hessenmeisterschaft. Neben Uwe Ramlow hatte sich erneut Kai Tomerius (3d, Darmstadt) qualifiziert, der Titelverteidiger Anton Grzeschniok im Hauptturnier besiegen konnte. Leider gab es diesmal keine Yuki zum Kommentieren, das hat diesmal das Quartett Chang Tung-Jui, Martin Dieterich, Norbert Jendrusch und Thomas Kettenring in einer Gemeinschaftsproduktion übernommen und sich dabei sehr gut ergänzt. Die zum Teil etwas widersprüchliche, aber sehr gelungene Analyse wollten dann noch über 30 Leute verfolgen, die miterleben mussten, wie der schon im Vorjahr knapp unterlegene Lokalmatador erneut verlor. Neuer Hessenmeister ist damit Uwe Ramlow. Er siegte im Endspiel mit 5½ Punkten. Damit hat Kai es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft, eine gute Stellung im Finale in einen Sieg umzuwandeln. Titelverteidiger Anton Grzeschniok konnte sich in diesem Jahr nicht für das Finale qualifizieren.


"Und dann habe ich hier gepielt..." Rechts versucht Martin Dieterich, Uwes Ideen nachzuvollziehen.

Das kommentierte Endspiel gibt es zum Runterladen sowohl als gezippten Postscript-File als auch als Sgf-File .


Unser Dank geht an die Sponsoren, der Sparkasse Darmstadt und der Südhessischen Gas und Wasser AG für ihre großzügige Unterstützung sowie dem großartigen Küchenteam Ute, Katharina, Christian und Philipp für den ständigen Nachschub an Speisen und Getränken.


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Verantwortlich für diese Seite: Michael Marz (Mail) - Stand: 7. März 2001